Elternratgeber Sucht
Sucht

Sucht ist eine krankhafte, zwanghafte Abhängigkeil von Stoffen (etwa Alkohol oder Heroin) oder Verhaltensweisen (nicht stoffgebundene Abhängigkeiten wie Spiel-, Kauf-, Fernseh-, Arbeits-, Eß- und Brechsucht).

Es besteht das Verlangen nach einer ständig erneuten Einnahme dieser Stoffe oder einer ständigen Wiederholung dieser Verhaltensweisen, um ein bestimmtes Lustgefühl zu erreichen oder Unlustgefühle zu vermeiden. Man unterscheidet bei der Sucht zwischen seelischer (psychischer) und körperlicher (physischer) Abhängigkeit.

Bei der körperlichen Abhängigkeil wird das Suchtmittel ebenso benötigt wie Essen und
Trinken.
Ohne den Stoff reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen.

Bei der seelischen Abhängigkeit wird das Suchtmittel zur „Krücke*1 - das innere
Gleichgewicht kann nur noch mit Hilfe des Stoffes oder Verhaltens hergestellt werden.

Wer die durchaus angenehmen Wirkungen einer Droge einmal kennengelernt hat, ist vielleicht versucht, diese Erfahrung zu wiederholen. So kann eine Entwicklung in Gang gesetzt werden, an deren Ende man nicht mehr ohne die anregende oder dämpfende Wirkung der Droge auskommt und sie zwanghaft konsumiert.

Sucht bedeutet in jedem Fall Unfreiheit.

Der abhängige Mensch kann mit dem Suchtmittel nicht mehr selbstentscheidend umgehen. Dies führt häufig zum Verlust von sozialen Bindungen und zu nachteiligen Veränderungen der Persönlichkeit.

Eindeutige Symptome für eine Suchtgefährdung gibt es leider nicht. Man sieht es dem Kind eben nicht „an der Nasenspitze" an. Es gibt allerdings Anzeichen, die Anlaß zu besonderer Aufmerksamkeit sein sollten, da sie auf tiefgreifende Probleme hindeuten.

Derartige Signale für eine mögliche Suchtgefährdung, aber auch für andere problematische Entwicklungen, können sein:
Schwerpunkt-Thema

Übermäßiger Alkoholkonsum unter Jugendlichen
Rauschtrinken, oftmals auch “Komasaufen” genannt

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Gefahrensignale
• Passivität und Unselbständigkeit
• Mangelndes Selbstvertrauen
• Fehlende Bereitschaft Konflikte „durchzustehen"
• Geringe Fähigkeit, Probleme zu bewältigen
• Überzogene Leistungsanforderungen an sich selbst
• Schwierigkeiten, Kontakt zu finden
Anzeichen dieser Art sollten - zumal wenn sie gehäuft und über längere Zeit auftreten - Anlass sein, nach möglichen Ursachen zu forschen.

Eltern können sich zunächst mit anderen Bezugspersonen, mit Lehrern, Erziehern oder
Freizeitbetreuern beraten.
Wenn sich der Eindruck verdichtet, dass ein ernstes Problem zugrunde liegt, kann auch die Unterstützung durch eine Erziehungs- oder Familienberatungsstelle hilfreich
sein.
Solche Beratungsstellen gibt es in jeder größeren Stadt.
Vorbeugung

Kinder brauchen seelische Sicherheit

Das bedeutet konkret, dass sie sich die Liebe und Zuwendung ihrer Eltern und der
ihnen nahestehenden Erwachsenen sicher sein wollen.

Seelische Sicherheit heißt:

„Auch wenn ich im Streß bin, im Augenblick keine Zeit für Dich habe oder wir uns
streiten - Du kannst trotzdem sicher sein, dass ich Dich so, wie Du bist, liebhabe."
Kinder brauchen Anerkennung und Bestätigung

Erwachsene sollen nicht nur die Leistung von Kindern loben.
Noch viel wichtiger ist es, schon die Bemühung zu loben. Kinder benötigen ganz einfach die Grunderfahrung, dass ihre Eltern und andere Erwachsene viel von ihnen halten, ihnen etwas zutrauen und sie ohne irgendwelche Vorbehalte anerkennen.
Kinder brauchen Freiraum und Beständigkeit

Freiraum ist für Kinder deshalb so wichtig, weil sie hier lernen, die Realität selbst zu begreifen, und zum ersten Mal Erfolgserlebnisse haben.

Kinder sind heute stärker organisiert, beaufsichtigt, begrenzt und eingeengt denn je.
So gesehen ist ein Freiraum, in dem sie in Ruhe eigene Erfahrungen sammeln können, für ihre seelische Entwicklung so wichtig wie nie zuvor.
Kinder brauchen realistische Vorbilder

Eltern sind die prägenden Vorbilder, die von ihren Kindern sehr genau beobachtet werden. So genau, dass sie schon sehr früh unterscheiden können, was ihre Eltern so alles erzählen und wie sie sich in Wirklichkeit verhalten.

Deshalb hilft nur Ehrlichkeit. Kinder brauchen Vorbilder. Und die sollten realistisch sein, weil nur realistische Vorbilder eine wahre und richtige Vorstellung von unserer Welt vermitteln können.
Es kostet nicht nur Zeit und Mühe, Kinder auf das Leben vorzubereiten. Manchmal ist auch das Eingeständnis nötig, dass wir selber nicht so stark und unfehlbar sind, wie wir das unseren Kindern so gerne vorspielen.
Kinder brauchen Bewegung und richtige Ernährung

Kinder wollen toben, sich bewegen, haben sichtlich Spaß an der körperlichen Anstrengung. Kinder müssen die Erfahrung machen, dass körperliches Wohlgefühl und seelische Zufriedenheit miteinander zusammenhängen.

Entscheidend für eine gute körperliche Verfassung ist neben der ausreichenden Bewegung die richtige Ernährung.

Erwachsene sollten auf einen verantwortlichen Umgang mit Süßigkeiten achten. Es ist falsch, sie Kindern dann zu geben, wenn sie beruhigt oder getröstet werden sollen.
Kinder brauchen Freunde und eine verständnisvolle Umwelt

Viele Kinder sind viel zu häufig allein zu Hause und haben niemanden, der ihnen hilft und mit dem sie reden können. Deshalb sollten Eltern bei ihrer Zeitplanung auch immer die Interessen ihrer Kinder berücksichtigen:

• Sie brauchen gleichaltrige Freunde, mit denen sie gemeinsam etwas unternehmen können.

• Sie brauchen ferner Erwachsene außerhalb ihres engsten Familienkreises, auf die sie sich seelisch beziehen und an denen sie sich orientieren können.

• Und Kinder brauchen schließlich Menschen, die sich für sie einsetzen. Damit sie in einer Umwelt aufwachsen, in der auf sie und ihre Bedürfnisse mehr Rücksicht genommen wird.

Für die Kinder sind nicht nur die Eltern, Erzieherinnen, Lehrer, Ärzte und Erziehungsberater da, sondern alle Erwachsenen.